„Die Welt“ vom 7. Oktober 2006, von Eva Eusterhus
Schmuckstücke, selten wie Goldstaub
Seit 25 Jahren fertigt Nana Hellwege extravaganten Schmuck - seit sieben Jahren betreibt sie zusammen mit ihrer Tochter Katrin das Atelier im Stilwerk.
Nana Hellwege lacht, als sie in ihren Erinnerungen stöbert nach all jenen Anekdoten, die ihr die Kunden im Laufe der letzten 25 Jahre überlieferten. Eine geht so: Die Goldschmiedin steht auf einem Empfang, als jemand sie lauthals mit ihrem Vor- und Nachnamen begrüßt. Eine Dame dreht sich plötzlich um, geht schnurstracks auf sie zu und sagt: "Sie also sind Nana Hellwege? Wenn mein Mann seiner Geliebten Schmuck schenkte, dann immer nur ihren!"
Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe mehr Geschichten, lustige, ernste und auch persönliche, die erzählen, wie bekannt ihr Geschmeide über Hamburgs Grenzen hinaus ist. "Ich mache Schmuck - ich kann nicht anders", sagt die Frau mit dem nüchternen Garçonhaarschnitt und den karminrot geschminkten Lippen. An ihren Ohren baumeln ein Paar tropfenförmige große Lemoncitrine an zierlichen Ketten. Königlich sieht das aus. "Mich fasziniert, wie viel Effekt man durch einfache Formen erzielen kann", sagt sie.
Neben ihr sitzt Tochter Katrin. Um ihren Hals liegt eine doppelt gelegte Goldkette, an der ein kreisförmiger Anhänger aus mattiertem Gold liegt. Was sich einfach anhört, sieht raffiniert aus. Die studierte Juristin, die zuvor bei der Schmuckmanufaktur Niessing noch in ihrem erlernten Beruf arbeitete, lernte 1999 das Handwerk der Goldschmiedekunst von der Pike auf und ließ sich von ihrer Mutter zur Goldschmiedegesellin ausbilden. "Ich hatte das Gefühl, dass ich auch eine künstlerische Begabung besaß, die ich ausleben wollte", sagt die 40-Jährige heute. Nun arbeiten Mutter und Tochter zusammen erfolgreich Seite an Seite in dem Familienbetrieb.
In ihrem Laden im dritten Stock des Stilwerkes sind ihre Stücke ausgestellt. Dekoriert in Vitrinen aus roh verputztem Beton strahlen die Ringe, Ohrringe und Ketten schlichten Glanz aus. Ausgeprägt ist die Vorliebe des Duos für ausgefallene Farbsteine. Sie verarbeiten grünen Granat, Spinell, Obsidian, Kunzit, Feueropal und Turmalin, gern auch Brillianten. Der Schmuck der Hellweges ist prächtig, die Formen sind meist schlicht. Klar, zum Teil auch exzentrisch sind die Details. Ob Gold, Platin oder Silber - die Hellweges verarbeiten alle Edelmetalle. "Wer zu uns kommt, der will keinen schlichten Schmuck von der Stange, der sucht das Extravagante", sagt Nana Hellwege. Gefertigt wird alles von Hand, von Mutter oder Tochter selbst oder von ihren Mitarbeiterinnen.
Das war auch vor 25 Jahren nicht anders. Damals, als sich die Goldschmiedin 1981 mit einem Laden in Blankenese selbstständig machte. Aufgewachsen in einer Arztfamilie, hatte man viele Berufungen für die kleine Nana im Auge, eine ganz sicher nicht: die Goldschmiedekunst - galt diese bis dato noch als strikte Männerbastion. Der Vater liebte neben der Medizin auch die Kunst und ließ Nana ziehen. Ihr Erfolg gab ihr Recht. Zwei Jahre nach der Eröffnung des ersten Geschäftes in der Witts Allee zog Nana Hellwege um in die Friedrich-Legahn Straße. 1991 folgte ein weiterer Umzug in einen Laden an der Elbchaussee. 1993 wagte die Mutter von zwei Kindern den Sprung in das Elbe Einkaufszentrum, wo sie ihre zweite Filiale eröffnete. 1997 dann verabschiedete sie sich von den Räumen an der Elbchaussee und verlegte schließlich Laden und Werkstatt in das Stilwerk und verzichtete von nun an, Niessing und Nomos ausgeschlossen, auf andere Manufakturen. "Warum andere anbieten, wenn wir selber nur so übersprudeln an neuen Ideen", fragt die 64-Jährige selbstbewusst.
Wenn eine von beiden etwas erzählt, dann nickt die andere, dann sind sie sich einig. Mal wieder. "Im Großen Ganzen - also in der Frage welchen Stil wir verfolgen, welche Zielgruppe wir ansprechen wollen - waren wir uns immer einig", sagt Katrin Hellwege. "Komischerweise waren es meist die Kleinigkeiten, in denen wir uns uneinig waren", fügt sie hinzu, "und auch da ergänzen wir uns lediglich." Ein Lieblingsstück, sagen sie, sei wie ein Talisman. Er erinnert an einen schönen Moment und gibt einem das Gefühl beschützt zu sein. "Schmuck zu machen heißt für uns, Momente des Glückes einzufangen für die Ewigkeit." Dann schweigen beide, ein seltener Moment.
Am Ende des Gesprächs fällt Nana Hellwege noch eine dieser Anekdoten ein, die ihr Kunden überlieferten. Diese geht so: Zwei Leute sitzen im Flugzeug Richtung Kairo. Sagt der Mann zu der Frau: "Sie haben aber schönen Schmuck." "Danke", entgegnet die Frau. "Haben Sie den in Hamburg gekauft?", fragt der Mann. "Ja", sagt die Frau und nickt zögerlich. "Bei Nana Hellwege?", fragt der Mann weiter. "Ja, verdammt. Aber sagen sie meinen Geheimtipp bloß nicht weiter!"
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